12.12.2017  | 
Blauer Bus

Das lange Warten auf den neuen Bus

Wriezen (MOZ) Der schlimmste Fall ist eingetreten: Der bisherige "Blaue Bus" kann nicht mehr eingesetzt werden. Die Bordelektronik streikt. Die Verantwortlichen beim Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) Oderbruch hoffen jedoch, dass der Nachfolger ab Januar in der Region eingesetzt werden kann.
"Die Fortschritte sind jetzt von Tag zu Tag sichtbar", zeigt sich Andreas Winter am Dienstagnachmittag zuversichtlich, dass der Termin diesmal einzuhalten ist. Am 10. Januar soll der neue "Blaue Bus" erstmals in der Region eingesetzt werden. Tags zuvor ist das Umladen vorgesehen, bestätigt Stefanie Thierer, die beim CVJM für die mobile Jugendarbeit und damit auch den "Blauen Bus" zuständig ist.

"Wir hoffen, dass das klappt", sagt sie. Erster Einsatzort sei dann Letschin. Gefeiert werden soll die Übergabe allerdings erst im März. "Da wollen wir nach all den Verzögerungen einfach auf Nummer sicher gehen." Schließlich kämen einige der Spender, die die Finanzierung des Vorhabens überhaupt erst möglich machten, auch diesmal aus Baden-Württemberg. "Sie sollen einfach die Chance haben, zur offiziellen Eröffnung dabei sein.

Dass das bisherige Fahrzeug, Baujahr 1991, vor allem aufgrund der immer wieder mal auftretenden Probleme mit der Elektrik ersetzt werden muss, sei schon vor zwei Jahren klar gewesen. "Wir hatten jedoch auf einen nahtlosen Übergang gehofft", sagt Stefanie Thierer. Mit dem Ausfall Mitte November sei der schlimmste anzunehmende Fall eingetreten. Wobei zu diesem Zeitpunkt noch Anfang Dezember als Starttermin für den Nachfolger, Baujahr 2004, im Gespräch war. Denn: Der Gelenkbus ist bereits seit fast einem Jahr in Frankfurt (Oder).

"Das ist eine sehr komplexe Geschichte", sagt dann auch Andreas Winter, der zu den Gründungsmitgliedern des CVJM in der Region gehört und bis vor zwei Jahren im Vorstand aktiv war. Als Tischlermeister hatte er bereits den Innenausbau des jetzt streikenden Fahrzeugs in einer Hamburger Werkstatt verfolgt. "Sie können in einen solchen Bus ja nicht einfach Möbel reinstellen oder festschrauben", hatte dazu Mirko Schneider, ebenfalls Tischlermeister und Mitarbeiter von Andreas Winter, kürzlich bei einem Werkstattbesuch erklärt.

So müssten die Einbauten abnehmbar sein, damit im Fall der Fälle zum Beispiel die Kfz-Schlosser wieder an den Motor rankommen. Der 47-Jährige hatte da gerade die Schiebetür mit Bullauge im hinteren Teil des Busses zugezogen. Dort befinden sich eine gemütliche und mit rotem Kunstleder überzogene Sitzbank sowie ein Tisch.

Für Andreas Winter ist das die schönste Stelle im Bus, der im Vergleich zum Vorgänger einige Herausforderungen mehr für den Innenausbau mit sich brachte. "Schauen Sie doch mal, wie hoch hier allein die Radkästen in den Raum ragen", erläuterte er. In der Decke vor der Tür gähnte da noch ein Loch. "Da wird der Kurz-Beamer eingebaut. Die Leinwand kann bei Bedarf vor der Schiebetür heruntergezogen werden." Die Vorbereitungen für die Einbauten in dem recht unförmigen Raum hätten viel Zeit gefressen. "Aber das Ganze macht auch total viel Spaß", sagte der Vater zweier Söhne im Teenageralter. Die Familie lebt allerdings in Falkenhagen. "Den Bus sehen wir dann später also nicht mehr, wenn er im Einsatz ist."

Für den Innenausbau würden fast nur Multiplexplatten aus Birke verwendet, klinkte sich unterdessen Mirko Schneider wieder ins Gespräch. Die oberste Schicht bestehe aus Königsahorn. "Das ist sehr widerstandsfähig und hat Arbeitsplattenqualität. Da hat man wirklich eine Weile seine Freude dran", ist sich der Vater eines Sohnes und einer Tochter, mit 20 beziehungsweise 14 Jahren ebenfalls im Zielgruppenalter des "Blauen Busses".

Die Idee für dieses "Jugendhaus auf Rädern" stamme, so Andreas Winter, von Hans-Georg von der Marwitz, inzwischen vor allem als CDU-Bundestagsabgeordneter in der Region bekannt. Als 1999 das CVJM-Jugendhaus in Seelow fertig war, hätten Pfarrer danach gefragt, wie die Orte ringsherum einbezogen werden können. Alles andere seien immer wieder auch glückliche Fügungen gewesen. Und so gebe es für den bisherigen Blauen Bus sogar eine Chance zur Weiternutzung durch junge Leute. "Nur bekommt einen dann einen festen Standort mit Elektroanschluss."

Aktualisiert durch: Marcel Schröder